SEBASTIAN KOCH Fanwebsite

Er gab sogar James Bond schon einen Korb

tz.de, 9.10.2015, Text: Dierk Sindermann, Foto: fkn

München - Sebastian Koch zählt zu den stillen Stars in Hollywood. In seinem neuesten Film spielt er neben Tom Hanks einen DDR-Unterhändler. Andere verheißungsvolle Rollen sagte er ab.

Sebastian Koch (53) ist ein alter Hase im Filmgeschäft. 1986 stand er für einen Tatort zum ersten Mal vor der Kamera. 30 Jahre später wird der stets ruhige und besonnene Karlsruher auch im Film-Mekka Hollywood gefeiert. Er ist begehrt bei den ganz großen Regisseuren – drehte unter anderem gemeinsam mit Bruce Willis und Liam Neeson. Demnächst ist er in Bridge of Spies an der Seite von Tom Hanks zu sehen. tz-Reporter Dierk Sindermann traf den stillen Star in New York.

New York bereitete Sebastian Koch zur Premiere seines neues Films Bridge of Spies (Kinostart: 26. November) einen stürmischen Empfang. Unter der Regie von Hollywood-Legende Steven Spielberg spielt er dort an der Seite von Weltstar Tom Hanks. Mit seiner Meinung, "das ist ein ganz besonderer, toller Film", stand der Deutsche nicht alleine da. Das Publikum feierte Regisseur Spielberg, Hauptdarsteller Hanks und natürlich auch Koch für seine Rolle als schillernder DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel.

Spielberg hatte ihm den Part des am legendären Austausch von Sowjet-Spion Rudolf Abel und Spionage-Flieger Gary Powers beteiligten Ost-Berliner Anwalts aus heiterem Himmel angeboten. Und zwar ganz ohne Casting. Einziger Haken: "Ich war in Frankreich bei Dreharbeiten und es gab zeitliche Probleme", offenbart Koch. Ihm zuliebe machte der Oscar-Regisseur aber Termine klar, die in Kochs Kalender passten. Und wie war es, mit Spielberg zu arbeiten? "Er schafft es, auf diesem aufwendigen Set einen inneren Kreis zu bilden, in dem man sich fühlt, wie in einer Familie. Sie haben mich mit offen Armen empfangen und es mir damit leicht gemacht."

Mit Hanks in Griechenland Pizza essen

Bei Kollege Hanks gerät Koch dann ins Schwärmen: "Ich kenne niemanden, der ein Weltstar ist und so entspannt damit umgeht." Die Filmpartner kamen sich auch menschlich näher. "Wir haben uns im Sommer in Griechenland getroffen", so Hanks – und Koch ergänzt schmunzelnd: "Und Pizza gegessen."

Vor allem der Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Produktionen sei enorm, denn "die Amerikaner haben natürlich viel mehr Geld." Umso schöner, dass Hollywood immer öfter in Berlin dreht. Ein Beispiel dafür ist die Erfolgsserie Homeland, die teilweise in der Hauptstadt spielt. "Eine bessere Werbung für Berlin gibt es gar nicht", sagt Koch. Die Macher der Erfolgsserie haben ihm eine tragende Rolle gegeben: "Ich spiele den Stahl-Magnaten Otto Düring. Sein Großvater war ein Nazi-Urgstein, dementsprechend hat die Familie Schuld auf sich geladen. Otto versucht, die Vergangenheit zu bewältigen."

Homeland war eine ungewohnte Aufgabe für ihn: "Da wird unheimlich schnell gedreht. 8 bis 9 Tage, dann muss die Folge fertig sein. Was den Vorteil hat, dass man sehr nahe am politischen Geschehen ist." So nahe, dass die aktuelle Flüchtlings-Situation eingearbeitet wird? Koch lächelt verschwörerisch und nickt. Die US-Produzenten haben ihn zur Verschwiegenheit angehalten.

Fast der Bösewicht bei James Bond

Das selbe Lächeln setzt er bei der Frage, ob Hollywood lockt, noch einmal auf: "Ich fühle mich sehr wohl in Berlin", aber für New York könne er sich auch begeistern, denn es sei "eine entspannte Stadt“. Los Angeles hingegen empfindet er als "eine andere Welt". Aber wenn eine gute Rolle kommt, dann ist es Koch egal, "ob die in Grönland oder Los Angeles spielt". Andererseits: "Ich habe schon spektakuläre Projekte abgesagt, weil sie nicht stimmig waren." Auch amerikanische? Wortloses Nicken.

Auch absolute Top-Rollen seien darunter gewesen. Bei "Ein Quantum Trost", dem Bond-Film des deutsch-schweizer Regisseurs Mark Forster, "war ich ganz nah dran, den Bösewicht zu spielen". Vielleicht wird es ja noch einmal was mit Bond – Daniel Craig will sich als 007 in die Rente verabschieden. Sebastian Koch als Nachfolger? "Ein deutscher Bond – da drehen die Engländer durch." Am Aussehen und der kernig-charmanten Art sollte es nicht scheitern. Steven Spielberg: "Darum habe ich Sebastian für die Rolle des Wolfgang Vogel verpflichtet."

Bridge of Spies - Der Unterhändler

Bridge of Spies – Der Unterhändler behandelt den ersten Agentenaustausch des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. US-Pilot Francis Gary Powers (Austin Stowell) wird über Russland abgeschossen und wegen Spionage verhaftet. Der US-Geheimdienst CIA beauftragt den Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks), eine Freilassung des Piloten auf dem Verhandlungsweg zu erreichen. DDR-Anwalt und Unterhändler Walter Vogel (Sebastian Koch) organisiert schließlich einen Austausch, der am 10. Februar 1962 in Potsdam über die Bühne geht – Powers wird von den Sowjets freigelassen, im Tausch gegen den enttarnten russischen KGB-Oberst Rudolf Abel (Mark Rylance).


Artikel Übersicht
 ^ Nach oben