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Sebastian Koch als Lindauer Skandalarzt Krombach

14.11.2014, schwaebische.de. Bild: Christian Flemming

Der Schauspieler Sebastian Sebastian Koch steht derzeit in Lindau vor der Kamera. Dort spielt er in dem Drama "Bamberski" über den Mord an der 14-jährigen Kalinka den Stiefvater der Toten. Der Lindauer Arzt hatte das Mädchen Anfang der 190er-Jahre getötet.

Es gibt Schauspieler, die kennt jeder, weil sie ständig im Fernsehen zu sehen sind. Und es gibt Schauspieler, die man wiedererkennt, weil ihre Leistung in Erinnerung blieb. Sebastian Koch (52) gehört zur zweiten Sorte. Er verkörperte Stauffenberg und Klaus Mann, war einer der Protagonisten im Oscar-prämierten „Das Leben der Anderen“. In Lindau steht er als Dr. Dieter Krombach in der deutsch-französischen Co-Produktion „Bamberski“ vor der Kamera. Redakteur Jürgen T. Widmer hat ihn in Lindau getroffen.

Ein Arzt, der seine Stieftochter betäubt, missbraucht und letztendlich tötet. Wie nähert man sich so einer Rolle?
Es geht in diesem Fall nicht darum, so authentisch wie möglich zu wirken, also ihn in Gang oder Aussehen perfekt zu kopieren. Das Entscheidende an dieser hoch emotionalen und dramatischen Geschichte ist für mich, wie konnte jemand in einer Kleinstadt so ein Doppelleben führen ohne aufzufliegen?

Zumal eine solche Tat nicht in eine Idylle wie in Lindau zu passen scheint.
Man darf nicht vergessen, dass in den 1980er-Jahren Ärzte einen ganz anderen Stellenwert hatten als heute. Es waren die Götter in Weiß…Da zu widersprechen erfordert viel Mut und Selbstbewusstsein. Zumal wenn alle anderen sagen und denken - das ist doch der Dr. Krombach, der würde so etwas doch nie tun

Über Albert Speer, Hitlers Architekt, den Sie gespielt haben, sagten Sie sinngemäß, er habe sich in seinem Kopf eine eigene Welt zusammengebastelt. Ist dies etwas, was Krombach und Speer verbindet
Ich weiß letztendlich natürlich nicht, was Krombach angetrieben hat. Eine Art Schizophrenie? Überheblichkeit? Das Faszinierende für mich als Schauspieler ist, mir diese eigene, in sich logische Welt zurecht zu legen, um sie dann nach Außen so zu vertreten, dass keiner überhaupt die Idee hat daran Anstoß zu nehmen. Dies macht so ein Doppelleben erst möglich.

Krombach hat in einem Interview sinngemäß über seine wehrlosen Opfer gesagt, sie hätten sich nicht gewehrt, und wer schweige, stimme zu.
Ja, dieses Schweigen - und da sind wir auch wieder bei den Priestern - macht solche Taten erst möglich. Auch juristisch ist das ein großes noch ungelöstes Thema. Ab wann ist eine Autorität wie zum Beispiel ein Arzt oder Priester anders zu behandeln - das Opfer steht ja in einer anderen Abhängigkeit als zu „normalen“ Personen. Das deutsche Recht macht da keinen Unterschied.

Sie haben soeben einem Film über Bertha von Suttner abgedreht, unter anderem mit Philipp Hochmair. Sie haben Alfred Nobel gespielt. Unterschiedlicher als Krombach und Nobel können Figuren wohl kaum sein, oder?
Alfred Nobel war ein wunderbarer, humorvoller, etwas kauziger Mensch, den ich auf Anhieb mochte. Er hat so etwas Sehnsuchtsvolles, ist gleichzeitig so zufrieden in seiner Arbeit als Wissenschaftler. Ein wirklich krasser Gegensatz zu Krombach, der liebte es eher bunt, Nobel brauchte den roten Teppich nicht…

Der wird Ihnen aber spätestens ausgerollt, seit sie in Florian Henckel von Donnersmarcks oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" mitgespielt haben. Wie verändert sich die Arbeit durch einen Oscar?
Man ist ja nicht deshalb ein besserer Schauspieler als vorher. Aber es gibt mir die Freiheit international arbeiten zu können und damit aus viel mehr Drehbüchern wählen zu können. Zumal ich immer schon wählerisch mit meinen Drehbüchern war. Ich denke, man muss machen, woran man glaubt. Man sollte sich nicht all zu sehr vom Erfolg abhängig machen. Erfolg ist nicht planbar. Das hat natürlich auch etwas mit Glück zu tun. Wenn ein neuer Film ins Kino kommt und am Startwochenende ist das Wetter zu schön, dann kann der Film sein so gut er will, nach einer Woche ist er wieder aus den Kinos verschwunden. Ich habe keinen großen Hofstaat und keine große Villa zu unterhalten, das gibt mir die Freiheit, unterschiedlichste Filme zu machen und dabei genau auszuwählen.

Wie beispielsweise den griechischen Nationalhelden Ioannis Varvakis zu spielen. Ging das gut? Das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen ist ja nicht so einfach.
Stimmt, aber ich finde da macht es sich der Boulevard zu einfach – hier die faulen Griechen, da die fleißigen Deutschen. Wenn zwei Parteien so unterschiedlich sind, dann können sie sicher sein, dass sie viel voneinander lernen können.

In Griechenland hat besonderen Anklang gefunden, dass Sie in ihrer Arbeit so ernsthaft sind.
Ich liebe dieses Medium Kino, die Leinwand ist sehr genau, wie ein Vergrößerungsglas, man sieht einfach alles - eben auch die Fehler. Da muss man dann halt sehr genau arbeiten. Das ist ja das Schöne, die große Herausforderung.

Aber wie ernst können Sie dann eine Rolle in "Stirb Langsam" nehmen?
Das ist genau dieser Spagat, den ich an meinem Beruf so sehr liebe.

In Deutschland scheint dieser Spagat immer weniger möglich. Irgendwie scheint es im Fernsehen immer die gleichen Geschichten und Gesichter zu geben. Warum?
Solange ich die Möglichkeit habe, neben so wunderbaren Filme wie "Nobel" auch Filme im Ausland zu drehen, muss ich mich mit dieser Frage Gott sei Dank nicht beschäftigen.


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