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Wie schwach fühlt man sich neben Bruce Willis, Herr Koch?

3.2.2013, Artikel: bild.de, Text: Dona Kujacinsky, Bild: Det Kempke

Aus deutscher Sicht wird die fünfte Episode der DIE HARD-Reihe ein Superhammer: Sebastian Koch, 50, sorgt neben Bruce Willis, 57, für Hochspannung.
Hier spricht er über den Film, über den noch niemand etwas wissen darf; wie es für einen gebürtigen Karlsruher ist, neben einem Weltstar zu stehen; und über Wutausbrüche, Ruhm, Stille und Geld.

Auch wenn man seit Jahren zu den Top-Fünf des deutschen Kinos und Fernsehens gehört (inklusive Hauptrolle in dem oscarprämierten Film "Das Leben der Anderen"), auch wenn man in seiner Karriere noch nie Mittelmaß abgeliefert hat – in einem gut 100-Millionen-Dollar-Hollywood-Spektakel mitmachen zu dürfen, ist noch mal eine andere Nummer.

Ab 14. Februar wird Sebastian Koch in "Die Hard – Ein guter Tag zum Sterben" zu sehen sein, als russischer Atomwissenschaftler Jurij Komarov. Er wird neben dem New Yorker Cop John McClane (wie immer supermännlich von Bruce Willis gespielt) sich, die Familie und also die Welt retten.

Bild am SONNTAG: Wie fühlt man sich als Hollywood-Star?
SEBASTIAN KOCH: Nun mal langsam. Das bin ich ja nicht. Doch allein die Rolle angeboten zu bekommen und sie spielen zu dürfen, war ein irres Gefühl.

BamS: Stimmt es, dass Regisseur John Moore nur Sie als Jurij Komarov haben wollte?
KOCH: Ja, für ihn war ich die Idealbesetzung. John will schon seit "Das Leben der Anderen" mit mir arbeiten. Es hat bisher nur nicht geklappt, weil seine Projekte nicht passten.

BamS: Was ist Moore für ein Typ?
KOCH: Ein Irrer und ein sehr leidenschaftlicher Regisseur, der für die Sache auch schon mal laut werden kann. Das mag ich. In dem Punkt bin ich nicht viel anders.

BamS: Dabei wirken Sie so ausgeglichen.
KOCH: Das täuscht. Wenn ich wirklich sauer bin, kann ich auch mal schreien. Aber meine große Wut verraucht dann auch ziemlich schnell.

BamS: Was macht Sie wütend?
KOCH: Wenn ich wirklich Interesse an etwas habe, kämpfe ich auch dafür. Dann bin ich sehr energetisch, setze mich ein und bin eben auch mal laut.

BamS: Die vier "Die Hard"-Filme sind Kulturgut, haben seit 1988 weltweit über eine Milliarde Dollar eingespielt. Um was geht es diesmal?
KOCH: Cop McClane verlässt zum ersten Mal Amerika, geht nach Russland, um seinen Sohn Jack zu suchen, zu dem er den Kontakt verloren hat, er weiß aber, dass sich Jack in Moskau aufhält. Als er ihn im Gefängnis findet, ist er zunächst verzweifelt, weil er glaubt, dass Jack auf die schiefe Bahn geraten ist. Was natürlich nicht stimmt. Jack ist CIA-Agent.

BamS: Sie spielen einen russischen Atomwissenschaftler. In welcher Verbindung steht der zu McClane?
KOCH: Sie lernen sich im Gefängnis kennen. Komarov, ein in sich gekehrter, abweisender Mann, sitzt im Hochsicherheitstrakt, weil er während des Kalten Krieges zunächst in Tschernobyl gearbeitet hat, dann aber auf die schiefe Bahn geriet. Er hatte mit einem Partner in großen Mengen Plutonium gestohlen und ein Vermögen gemacht. Er wird geschnappt, sein Partner nicht. Als Komarov im Gefängnis erfährt, dass sein damaliger Partner ihn verraten hat und jetzt vor der Ernennung zum Minister steht, will er auspacken.

BamS: Wovor der Ex-Partner eine Heidenangst hat. Es könnte ihn die Karriere kosten.
KOCH: Richtig. Deshalb versucht er mit aller Gewalt Komarov, mundtot zu machen. Doch McClane ist schneller. Er rettet Komarov, versucht ihn außer Landes zu bringen, was der gar nicht will. Erst als er mitbekommt, dass ihn die gesamte Unterwelt von Moskau jagt, gibt er nach.

BamS: Mussten Sie für die Rolle Russisch lernen?
KOCH: Ja, und zwar phonetisch. Das wünsche ich keinem. Das war eine Sauarbeit. Auch wegen der Kürze der Zeit. Ich hatte ja nur eineinhalb Monate, um die Rolle zu lernen.

BamS: Wie klein fühlt man sich neben Bruce Willis? KOCH: Ich bin 1,82 Meter.

BamS: Was ist er für ein Mensch?
KOCH: Ein echter Weltstar. Ein Vollprofi. Ein Künstler der Improvisation. Und er ist Detective McClane, der ihn ja auch zu dem gemacht hat, was er ist. Privat habe ich ihn kaum mitbekommen, weil er seine Frau und das drei Monate alte Baby dabei hatte. Die drei haben sehr zurückgezogen in Budapest gelebt, wo gedreht wurde.

BamS: Hatten Sie auch Ihre Familie dabei?
KOCH: Ich konnte meine Tochter Paulina und meine engsten Freunde einfliegen lassen.

BamS: Keine Freundin?
KOCH: Mein Privat- und Bettleben möchte ich nach wie vor für mich behalten.

BamS: Ihre Tochter ist 17. Hat sie das Drehbuch gelesen?
KOCH: Sie fand es klasse. Dabei ist so ein Blockbuster doch eher ein Männerding. Was wir beide am Faszinierendsten fanden, waren die gigantischen Sets und der irre technischen Aufwand. So hatte Moore ein wirkliches Vieh von Helikopter zur Verfügung. Wenn der startete, mussten alle Leute mindestens 300 Meter Abstand halten.

BamS: In "Die Hard" wird viel geschossen. Schießt Komarov auch?
KOCH: Eher weniger. Aber er ist natürlich in Actionszenen eingebunden, bei denen er McClane und seinem Sohn jedoch eher ein bisschen im Weg steht.

BamS: Wie ist Ihre persönliche Haltung zu Gewalt?
KOCH: Ich bin eher ein Mann des Wortes. Worte können unter Umständen sehr viel mehr verletzen als ein Schlag, aber auch mehr erreichen. Ich bin kein Schlägertyp.

BamS: Auch als Kind nicht?
KOCH: Ich war nie der Prügler. Aber ich war immer sehr schnell. Ein guter Läufer.

BamS: Wie hoch war Ihre Gage? So hoch, dass Sie hinterher lange Urlaub machen konnten?
KOCH: No comment.

BamS: Kennen Sie Existenzängste?
KOCH: In meinen Entscheidungen war und ist die Existenzangst nie vordergründig. Das ist ein großes Geschenk.

BamS: Können Sie gut mit Geld umgehen?
KOCH: Ja, aber ich bin kein guter Geschäftsmann, was nicht weiter schlimm ist. Weil ich in keinem großartigen Luxus lebe, muss ich auch nicht wegen des Geldes Rollen annehmen.

BamS: Was ist Luxus für Sie?
KOCH: In die Stille zu kommen. Denn nur in der Stille kann man in sich hineinhören und sich fragen: Was will ich? Ist das richtig, was ich mache? Will ich etwas anderes? Neue Wege und Ideen finde ich nur dort.

BamS: Wo ist Ihr Ort der Stille?
KOCH: Ich habe vor einiger Zeit ein kleines Häuschen nahe Berlin an einem See angemietet, wo ich oft hinfahre. Dieses Haus ist mein Rückzugsort geworden. Dort komme ich innerhalb ganz kurzer Zeit wirklich runter.

BamS: Welche Rolle spielt die Natur?
KOCH: Eine sehr wichtige. Bei mir hat Stille und Erholung sehr viel mit Wasser zu tun. Allein der Anblick von Wasser macht meinen Kopf frei, beruhigt mich. Und natürlich die Spaziergänge. Allein, mit meiner Tochter oder mit Freunden. Danach allein oder gemeinsam kochen. Und das alles ohne Telefon und Internet. Herrlich.

BamS: Sind Sie gern allein?
KOCH: Sehr gern und sooft ich kann. Ich brauche das Alleinsein auch, um Dinge zu verarbeiten und um neue Ideen zu bekommen oder vorhandene weiterzuentwickeln. Allein zu sein ist für mich ebenfalls ein großer Luxus, als öffentliche Person jedoch nicht immer einfach.

BamS: Können Sie sich noch unerkannt bewegen?
KOCH: In Berlin ist das relativ unproblematisch. Aber ich glaube felsenfest daran, dass man das lenken kann. Wenn ich nicht erkannt werden will, werde ich nicht erkannt.

BamS: Sie haben sehr großen Erfolg. Gibt es noch Träume?
KOCH: Mit den Träumen ist das so eine Sache. Manche sollte man einfach nur träumen, bei anderen sollte man daran arbeiten, dass sie in Erfüllung gehen. Da immer die richtige Entscheidung zu treffen ist nicht leicht.

BamS: Lieben Sie Ihren Erfolg?
KOCH: Erfolg ist für mich relativ. Was ist das denn? Für mich ist Erfolg, dass ich mich nicht verbiegen muss, dass ich nicht Sachen machen muss, die ich nicht machen will. Dass ich ganz bei mir bleiben kann, das habe ich in den vergangenen Jahren so gehalten. Wenn ich etwas nicht machen will, sage ich einfach Nein. Das ist eine große Freiheit.

BamS: Wie groß ist Ihr Ehrgeiz?
KOCH: Ehrgeiz ist ein blödes Wort. Ehrgeiz assoziiere ich mit Verbissenheit. Das bin ich nicht. Ich versuche einfach gut zu sein und meine Vision von einer Filmfigur umzusetzen.

BamS: Sind Sie zufrieden mit sich?
KOCH: Ich bin im Moment sehr froh und innerlich ruhig und entspannt. Das ist natürlich nicht immer so.

BamS: Wann nicht?
KOCH: Ich könnte noch mehr an meiner Geduld arbeiten, mich manchmal noch ein bisschen mehr zurücknehmen. Wenn man ungeduldig ist, wird man manchmal ungerecht.
Während der Arbeit zum Beispiel. Da steht man unter Strom, da ist man emotional. In solchen Momenten ungeduldig zu sein, finde ich aber in Ordnung.

BamS: Was macht Sie ungeduldig?
KOCH: Kleinigkeiten. Was die großen Dinge des Lebens angeht, bin ich eher gelassen und einer der sagt: Nicht um jeden Preis.

BamS: Glauben Sie, dass Sie durch "Die Hard" ein Hollywood-Star werden?
KOCH: Ich jage dem nicht nach. Das ist nicht mein Stil. Etwas nachzulaufen ist meiner Meinung nach eine schwierige Sache. Man kann Wünsche auch senden.


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