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Immer offen für Neues

Stuttgarter Zeitung, 14.3.2010, Interview: Martin Weber

Herr Koch, was hat Sie, den gefragten Schauspieler, daran gereizt, eine Dokureihe zu präsentieren?
Ich bin immer offen für neue Sachen und achte sehr darauf, mich nicht zu wiederholen. Deshalb hat mich die Idee, so etwas zu machen, sofort interessiert. Zumal ich mich gerne mit Architektur beschäftige und historische Bauwerke sehr mag. Für die Reihe "Superbauten" hatte ich Zugang zu ganz besonderen Orten, wo man sonst nicht hinkommt, und das fand ich natürlich spannend.

Sie haben schon viele historische Filmrollen gespielt. War es auch der Aspekt Geschichte, der Sie gereizt hat?
Die Reihe heißt ja "Superbauten" und nicht "Supergeschichte ". Es geht in erster Linie um den technischen Wahnsinn, um praktische Risiken, um die Menschen hinter diesen Monumenten, die diese Risiken auf sich genommen haben. Der Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein, die Dresdner Frauenkirche - um sich solche exzentrischen Bauwerke auszudenken und sie zu bauen, muss man sich zwischen Genie und Wahnsinn bewegen.

Bei dem Stichwort denkt man natürlich als Erstes an Ludwig II. und sein Märchenschloss Neuschwanstein...
Natürlich ist König Ludwig II. an Exzentrik kaum zu überbieten. Das Schloss ist, vielelicht vergleichbar mit Michael Jacksons Neverland-Ranch, ein viel zu großes Spielzeug, sehr poetisch, aber auch total künstlich. Für mich war wichtig, meinen persönlichen Zugang in die einzelnen Folgen einfließen zu lassen. Was empfinde ich, wenn ich in dieses Schloss gehe? Ich muss sagen, es ist beeindruckend, aber gleichzeitig so unantastbar, dass man sich da nicht länger aufhalten möchte. Es ist prunkvoll, hat aber keine Wärme. Es ist fast ein bisschen unheimlich, wenn man da durchläuft.

Welches der vorgestellten Bauwerke hat Sie am meisten fasziniert?
Jedes ist auf seine Art faszinierend. Der Kölner Dom schon durch seine Größe, die Superlative, die mit diesem gotischen Koloss verbunden sind. Unfassbar, wie die Menschen das ohne die heutigen Transportmöglichkeiten, ohne computeranimierte statische Berechnungen geschafft haben. Außerdem reizte mich die Geschichte des Kölner Kunstsammlers Sulpiz Boisserée, der es sich im 19. Jahrhundert in den Kopf gesetzt hatte, den Dom fertigzustellen. Dabei waren sämtliche alten Pläne verschollen. Die Geschichte, wie sie wieder aufgefunden wurden, hat etwas Magisches.

Die Reihe endet mit einem Film über die Frauenkirche in Dresden...
In der Frauenkirche waren wir ganz oben in der Kuppel. Wenn man dort auf der einen Seite steht und flüstert, hört man am gegenüberliegenden Ende jedes Wort, jede Nuance klar und deutlich. Außer dem Baumeister George Bähr hat damals niemand geglaubt, dass diese riesige Kuppel aus Stein halten würde, aber er hat sich gegen alle Widerstände durchgesetzt. So etwas wäre heutzutage angesichts unserer Bürokratie und Gesetze nicht mehr denkbar. Gerade im Bauwesen gibt es so viele Vorschriften, die zwar sicher oft notwendig sind, andererseits aber auch jede aufkeimende Kreativität verhindern, so dass der Staat also eher ein Verhinderer als ein Förderer von visionären Bauwerken ist.

Bund und Land wollen für viel Geld das Berliner Stadtschloss wieder aufbauen.
Ich bin ein absoluter Gegner dieses Großunternehmens. Wenn von einem Bauwerk noch etwas da ist, was es zu erhalten gilt und das man restaurieren kann wie bei der Frauenkirche, sollte man das meiner Meinung nach auch tun. Aber wenn alles weg ist, was soll man denn dann um Himmels Willen wiederaufbauen? Das wirkt doch dann immer ein bisschen wie Disneyland.

Ist die Forstetzung der "Superbauten" geplant?
Mir hat das Ganze Spaß gemacht, ich kann mir vorstellen, es fortzuführen. Es gibt ja noch viele beeindruckende "Superbauten" in Deutschland und anderswo. Auch das mehr als 800 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai ist ein Wunderwerk. Letztlich entscheiden die Zuschauer, ob es weitergeht. Ich hoffe natürlich, dass viele einschalten, vor allem auch ein junges Publikum.

Wieso ist Ihnen das so wichtig?
Oft merke ich bei jüngeren Leuten, dass sie relativ schnell aufgeben, wenn etwas nicht klappt. Die Reihe erzählt davon, dass man kämpfen muss, um seine Träume umzusetzen, dass man Risiken eingehen muss, um ans Ziel zu gelangen, aber natürlich auch scheitern kann.

Apropos Träume: Sie stehen gerade für den US-Film "Unknown White Male " mit Liam Neeson vor der Kamera. Basteln Sie an einer Hollywood-Karriere?
Die Deutschen haben so einen Pawlowschen Reflex und sind wahnsinnig aufgeregt, sobald der Ami vor der Tür steht und anklopft. Ich gehe dahin, wo das gute Drehbuch ist, und es ist mir völlig wurscht, ob das hier oder in Hollywood stattfindet. Es gibt insgesamt leider wenig gute Filmprojekte, und deshalb versuche ich nach wie vor, mehr in der englischen Sprache zu drehen - einfach um mehr Auswahlmöglichkeiten zu haben.


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