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Die Harald Schmidt Show

Zu Gast bei Harald Schmidt, Mai 2003

HS: Zwei Grimme-Preise in einem Jahr - für "Die Manns" und "Der Tanz mit dem Teufel" - du bist ja nur noch in grossen Produktionen mit dabei, oder? Mit hat zum Beispiel auch "Napoleon" unheimlich gut gefallen...
SK: Ja...

HS: Dir nicht?
SK: Doch, doch... *lacht*

HS: Erzähl' doch mal...
SK: Das waren Hollywood-Bedingungen, ganz unglaublich. Ich hab' grad das Glück, ganz tolle Angebote zu haben und trotzdem sehr vorsichtig auszusuchen, was ich mache und das ist wirklich enorm. Und find' ich auch selber ganz toll.

HS: Es scheint auch so eine Kontinuität in der Zusammenarbeit mit Regisseuren zu geben, z.B. mit Peter Keglevits...
SK: Das ist grossartig, ja. Ich hab' mit dem Peter ja den "Tanz mit dem Teufel" und jetzt die "Zwei Tage Hoffnung" gemacht und wenn man sich schon kennt und die Stärken und die Schwächen weiss, dann geht das weiter. Man fängt nicht wieder von vorne an, sondern man weiss sofort, wo's weitergeht und das ist grossartig.

HS: Thema bei "Zwei Tage Hoffnung" ist der 17. Juni...
SK: Mhm, ja.

HS: Ich möchte aber erst noch das Thema - wie war das? - die hochgenähte Klitoris, äh...
SK: Ja?

HS: Das ist jetzt nicht beim "17. Juni" passiert, sondern das war...
SK: Auch nicht bei "Napoleon"...Obwohl, es geht ja um "Marie Bonaparte"

HS: Ist das eine Verwandte von Napoleon?
SK: Ja, ich glaube, eine Grossnichte. Du hast das ein bissl falsch gesagt. Sie macht das nicht für Sigmund Freud, sonder sie macht es für sich. Und sie war eine Grande Dame in dieser Zeit, anfang des 20. Jahrhunderts, eine gesellschaftlich unglaublich versierte und anerkannte Frau. Die ließ sich damals schon Nase und Brust operieren und war unglaublich ihrer Zeit voraus. Sie hat dann Sigmund Freud getroffen, um eine Psychoanalyse zu machen und hat sich verliebt in ihn. Ich spiele in diesem Film ihren Liebhaber, einen Meisterschüler von Freud. Es ist sehr aufregend, mit dieser Frau zu drehen.

HS: Das heisst, du testest sozusagen das Ergebnis der Operation...
SK: Letztlich ja. Die Befriedigung bekommt sie aber dann doch nicht über die Operation. Sie versucht halt alles und ist eine sehr merkwürdige Frau für die damalige Zeit.

HS: Was ist das für ein Gefühl mit Catherine Deneuve? Habt ihr eine Bettszene?
SK: Mhm...

HS: Man kennt sie ja aus vielen Filmen, sie war ja DIE FRAU in unseren jungen Jahren...
SK: Sie hat mit allen Großen gearbeitet. Unfassbar. Das ist eine Grande Dame, eine Diva, eine Ikone.

HS: Ist man da selber ein bisschen gehemmt, wenn man mit so jemandem dreht?
SK: Ja, am Anfang schon. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das ist alles ganz easy, ganz locker. Natürlich ist man aufgeregt, das ist ja ein Weltstar. Es wird eingeleuchtet, es wird geprobt vorher und dann kommt SIE. Im deutschen Fernsehen geht's da anders zu.

HS: Es gibt viele deutsche Schauspieler, die das hören, und das dann auch wollen...
SK: Ja, aber den Star machen ja immer die anderen. In Frankreich wird sie einfach vergöttert, die Franzosen lieben diese Frau. Und sie hat eine Entourage von 4 Leuten, Maskenbildner, Friseuse, die sind immer um sie herum, sie ist einfach ein Star.

HS: Macht sie auch mal einen Witz beim Dreh?
SK: Es geht so...

HS: Wirklich?
SK: Sie ist extrem professionell und es macht auch großen Spaß, mit ihr zu spielen. Aber sie ist halt sehr reserviert auch - so mit Kaffee trinken und ein bissl quatschen, das ist nicht. Kommt vielleicht noch nach der Bettszene...

HS: Wielang dreht ihr denn schon?
SK: Es läuft schon 6 Wochen. Ich hab' 4 Drehtage gehabt und hab' jetzt nochmal 6...

HS: Aha. Die heiklen Szenen kommen erst noch.
SK: Ja.

HS: Hat die Deneuve Mitspracherecht? Dass sie sich so eine Kartei von jungen Männern kommen lässt und sagt: "Non, non, non..."?
SK: Ja, vielleicht hat sie mich ausgesucht, ich hab' sie noch gar nicht gefragt. Ich denke schon, dass sie da Mitspracherecht hat und mitguckt.

HS: Frau Deneuve, wär' der was? Er ist auch Schauspieler... Man weiss ja nicht bei diesen Stars... Im "17. Juni", gibt's da auch eine heikle Szene? Ich meine, erotisch?
SK: Nö, so mehr Panzer...Es geht mehr um Panzer. Aber es gibt auch eine Liebesgeschichte. Das ist sehr klug gelöst. Die haben diesen Aufstand anhand einer Familie erklärt, anhand eines Bruderpaares. Der eine lebt im Westen, der andere lebt im Osten und man kann diese beiden Ideologien über die Brüder erklären. Es ist ein ganz toller Film geworden, zumal der Peter Keglevits auch filmisch erzählt. Wie er zum Beispiel die Russen darstellt, ist grossartig. Es wird nicht gesagt "die bösen Russen, die waren so übermächtig", sondern da ist ein langer Gang im Halbdunkeln und der Ostdeutsche muss diese langen Gänge entlanglaufen und das erzählt erzählt über eine Bildsprache und nicht über Texte. Der Keglevits ist wirklich ein Filmemacher.

HS: Wir sehen uns mal einen Ausschnitt an.

*Filmausschnitt*

HS: Warst du das selber mit dem Stunt, von der Brücke zu springen?
SK: Das Reinspringen nicht, denn das war sehr niedrig und zu gefährlich. Aber dann kam ich raus aus dem Wasser. Wir haben im November gedreht, 3 Grad, aber es war ja 17. Juni - Sommer - und dann kam immer dieser Atem so raus und ich hab' da Rauchen wieder angefangen, weil wir alle Kette rauchten, damit man dass ein bissl kaschiert und nicht sieht, dass wir im Winter gedreht haben.

HS: Achso - da mussten die Schauspieler rauchen, damit's so aussieht...
SK: Ja, die ganzen Statisten haben alle geraucht.

HS: Wär's nicht einfacher gewesen, den Film im Sommer zu drehen?
SK: Ja, aber das war leider nicht möglich. Es war so kalt, ich konnte dann kaum mehr sprechen, weil wenn man bei 3 Grad aus dem Wasser kommt, ist alles so ein bissl eingefroren. Das war dann etwas mühsam, dass man so locker und leger sagt "Ja, fotografier' das mal"...

HS: Verstehe. Du lebst in Berlin, bist jetzt auch wieder innerhalb Berlins umgezogen - in eines von diesen "In-Vierteln", oder?
SK: Ne, ich bin nach Charlottenburg zurückgezogen, in die Nähe meiner Tochter und hab' ne sehr schöne Wohnung dort gefunden. Hab' den Umzug hinter mir. Was ich nicht bedacht hatte, war: Man denkt immer, der Umzug wäre das Schwierige, aber die Telekom ist das Schwierige. Ich war 3 Stunden in der Warteschleife und ich hasse diesen Verein langsam...

HS: Na, bitte - das sind einzelne Schwachstellen, wo das mal vorkommen kann... Funktioniert's jetzt?
SK: Glaub' ich nicht.

HS: Also, ich bin sehr gespannt, wann der Film mit Deneuve fertig ist. Dann Graf Stauffenberg, die nächte große Rolle - du bist wirklich in grossen, erstklassigen Produktionen mit dabei. Sebastian Koch - alles Gute und viel Erfolg!
SK: Danke!

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Zu Gast bei Harald Schmidt, Mai 2003
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